Das Museum als Marktplatz / Online Magazin

Das Museum als Marktplatz

30. Oktober 2009 Leipzig

Einmal im Jahr findet im Grassimuseum eine jurierte Verkaufsveranstaltung für ein anspruchsvolles Publikum statt.

Die Grassimesse ist ein internationales Forum für Angewandte Kunst und Produktdesign. Sie steht in der Tradition der 1920 begründeten und als „Treffpunkt der Moderne“ berühmt gewordenen historischen Grassimessen. Seit ihrer Neugründung 1997 findet sie einmal jährlich am letzten Oktoberwochenende statt – in diesem Jahr vom 23. bis 25. Oktober. Wir sprachen am 3. Tag mit der verantwortlichen Kuratorin für den Bereich Moderne und die Grassimesse, Sabine Epple.

Art Aurea: Wie hat sich die Grassimesse die vergangenen Jahre entwickelt?

Sabine Epple: Seit die Grassimesse wieder in den Räumen des Museums stattfindet ist das Niveau noch einmal deutlich gestiegen. Nach der Neugründung 1997 musste die Messe für fünf Jahre (2001-2005) wegen der Rekonstruktion des Grassikomplexes in ein Bürogebäude in der Leipziger Innenstadt umziehen. Danach mussten wir 2006 und 2007 zwei Jahre aussetzen und können jetzt seit zwei Jahren wieder das traditionelle Museumsumfeld bieten. Wir hatten dieses Jahr zwar weniger Bewerbungen – vielleicht lag es an der Wirtschaftskrise oder dass unsere Jury den Ruf hat, ziemlich streng zu sein –, doch ist noch einmal ein deutlicher Qualitätssprung gelungen.

Art Aurea: Das ist richtig. Aber wie reagiert denn das Publikum überhaupt auf das Museum als Marktplatz, das normalerweise, abgesehen vom Museumsshop, eine andere Funktion hat.

Sabine Epple: Das ist tatsächlich ein Kommunikationsproblem. Es gibt immer wieder Besucher, die gar nicht wissen, dass man die Dinge auch kaufen kann. Aber für den Großteil der Besucher ist der Reiz, etwas Kuratiertes im Museum zu erwerben, sehr groß, weil damit auch eine gewisse Sicherheit in qualitativer Hinsicht verbunden ist.

Art Aurea: Auf was achten Sie oder die Jury bei der Auswahl?

Sabine Epple: Wir möchten die ganze Bandbreite der Angewandten Kunst zeigen; vom guten Gebrauchsprodukt bis hin zu sehr künstlerischen und experimentellen Arbeiten. Natürlich immer in hoher Qualität. Dabei muss man auch sehen, dass wir das ganze Jahr über „normale“ Ausstellungen machen und nur diese eine Verkaufsausstellung. Das ist auch aus Museumssicht sehr spannend.

Art Aurea: Gibt es denn auch Wechselwirkungen?

Sabine Epple: Es gibt ja die vier Grassipreise und wir versuchen immer, davon etwas für unsere Sammlung zu erwerben. In diesem Jahr sind wir in der glücklichen Lage, fast alle preisgekrönten Stücke anzukaufen. Und wir diskutieren auch darüber, ob nicht noch einige weiter Arbeiten erworben werden können. Dies ist auch aus historischer Sicht wichtig. Was wir aus den Ausstellungen der 1920er und 1930er Jahre bei den Grassimessen erworben haben, hat heute einen großen historischen Wert. Das sind die Pfunde, mit denen wir heute mit unserer ständigen Sammlung wuchern können. Damals war es so, dass einige Aussteller ihre Standgebühren mit Naturalien bezahlt haben. Davon profitieren wir heute am meisten.

Sehen, staunen, kaufen! Vom künstlerischen Schmuck über Mode, Tafelgerät, Messer, Gefäße und Skulpturen bis hin zu Tischen reicht das Angebot.

Schmuck macht Freude: Der Publikumsandrang auf der Grassimesse war beeindruckend.

Georg Dobler, Schmuckgestalter und Professor an der Hochschule Hildesheim, im Gespräch mit den Gold- und Silberschmieden Ulla und Martin Kaufmann.

Art Aurea: Wie sind die Verkaufserfolge der Aussteller?

Sabine Epple: Das ist wie immer unterschiedlich. Die meisten sind auch in diesem Jahr sehr zufrieden, manche haben nichts verkauft. An was das liegt ist sehr schwer zu sagen. Aber das Risiko ist für unsere Teilnehmer bei einer Gebühr von 300 Euro auch nicht so hoch.

Art Aurea: Und sind denn die Einnahmen für das Museum kostendeckend?

Sabine Epple: Wir betrachten die GRASSIMESSE auch als Teil unseres Bildungsauftrags, der nicht durch die Standgebühren zu decken ist. Die Einnahmen sind vielleicht gerade ausreichend für den Katalog. Wir möchten die Besucher sensibilisieren für die tollen Arbeiten der Gestalter und Ateliers.

Art Aurea: Das ist doch immerhin ein kleiner, aber sinnvoller Beitrag in einem Land, in dem die Arbeitslosigkeit eines der Hauptprobleme ist. Haben Sie denn auch persönlich einige Dinge entdeckt, die Sie gerne besitzen und nutzen möchten?

Sabine Epple: Da ich gerne koche, sind es die Messer von Jan Hebach mit ihren tollen Formen und Kombinationen zwischen den Edelhölzern und dem handgeschmiedeten Stahl. Die Broschen von Mirjam Hiller, die auch Preisträgerin geworden ist, waren meine persönlichen Favoriten im Schmuck. Aber auch die textilen Arbeiten von Anke Henning fand ich sehr spannend. Persönlich gefallen mit auch die Emailschalen von Jung-I Kim. Die wunderbar sensiblen Farbkombinationen wie das blasse Lila mit Gold sind einfach nur bewundernswert schön.

PREISTRÄGER DER GRASSIMESSE 2009

Den Grassipreis der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung erhielt Laurenz Stockner/Italien, geb. 1971 in Bozen, Bereich Metall/Gerät. Den Grassipreis der Sparkasse Leipzig erhielt Carmen Hauser, geb. 1977 in Wiesbaden, Bereich Schmuck. Den Grassipreis der TOTAL Deutschland ging an Claudia Küster, geb. 1975 in Stralsund, Bereich Schmuck. Den Grassipreis der Galerie Slavik in Wien erhielt Mirjam Hiller, geb. 1974 in Stuttgart, Bereich Schmuck. Einen Anerkennungspreis für ihr Lebenswerk erhielt Gertrud Menzel/Bereich Schmuck.