Profanes und Pyromanisches

Gasgerät von Erhard Hößle für ein Spiel mit Flammen. Messingröhrchen auf Holzkasten.
Zu seinem 80. Geburtsjahr ehrt die Galerie Handwerk München den Silberschmied und langjährigen Professor für Gold- und Silberschmiedekunst an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg, mit einer Einzelausstellung. „Erhard Hößle – Profanes“ wurde am 13. Oktober eröffnet und ist noch bis 14. November 2009 zu sehen. Erhard Hößle vereine handwerkliches und künstlerisches Arbeiten im besten Sinn, heißt es aus München: „Für die Galerie Handwerk ist es eine große Freude und Ehre, nun erstmals in einer Einzelausstellung das profane Metallgerät Erhard Hößles in größerem Umfang der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“
Erhard Hößle begann 1946 eine Lehre bei Franz Rickert in München. Von 1949-1955 studierte er bei Rickert an der Akademie der Bildenden Künste und wurde 1969 selbst Professor in Nürnberg, wo er bis 1991 lehrte. „Ein großes Verständnis für das Material und eine Könnerschaft in allen Metallbearbeitungstechniken sind für Erhard Hößle, der die Auseinandersetzung mit Buntmetallen zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit machte, charakteristisch. Der funktionale Charakter und die formale Sicherheit der Arbeiten sind beeindruckend. Form, Funktion und Verarbeitung stehen stets in stimmigem Einklang.“ So die Veranstalter der Ausstellung.

Hößle pflegt solides Handwerk. Besteck mit Salz- und Silberstreuer, Silber, Holzsockel.

Doch wird gerade das Einfache zum Kultobjekt. Tablett mit 6 Silberbechern.

Erhabene Schönheit schlichter Gebrauchsgegenstände: Hänge-Löffelset, Silber, Gesamtlänge 31 cm.

Lange bevor es „Slow food“ gab schmiedete Hößle diese Suppenschüssel mit Rechaud in Silber.

Dinge gegen den Mainstream: Eckiger Kochtopf auf Gasbrenner, Gußeisen, Messing, von Erhard Hößle.

Fonduekessel, Spieße und Spiritusbrenner, Eisen und Silber.
Den Besucher der Galerie Handwerk erwarten neben schlichtem, häufig archaisch anmutendem Tafelgerät: „Eine umfangreiche Sammlung von Fesseldrachen und deren Modelle, pyrotechnische Objekte wie Feuerkörbe und bunt leuchtende Gasbrenner zum Anheizen der archaisch anmutenden Kochkessel und Pfannen für das “Kochen im Freien”. Sie zeigten den Erfinder, Techniker, den Tüftler und Pyromanen in ihm, heißt es dazu.
Doch auch in München selbst hat der 80jährige Silberschmied seine Spuren hinterlassen: Etwas das Windrad-Mobile am Turm des Alten Rathauses, ein Glockenspiel für die Carl von Linde-Realschule an der Ridlerstraße, ein Solar-Mobile für die Stadtbibliothek am Gasteig. In Zusammenarbeit mit dem Physiker Werner Kraus gestaltete er eine begehbare Kamera und für Thomas Zacharias’ Skizzenbuch eine Skizzenbuchumblättermaschine.
VOM SAKRALEN ZUM PROFANEN
Seit 1955 und bis zur Berufung nach Nürnberg war Erhard Hößle auch im Auftrag der Kirche tätig und stattete eine Vielzahl bayerischer Kirchen mit Kreuzen, Tabernakeln und Messgerät aus. Diese Arbeiten werden in der Ausstellung nicht gezeigt, können zum Teil jedoch in Münchner Kirchen besichtigt werden.
An der Nürnberger Akademie bildete Erhard Hößle eine ganze Generation von Silberschmieden aus. Dazu verlautet in der Presseerklärung: „Seine zahlreichen Schüler, die mit renommierten Preisen wie dem Bayerischen oder dem Hessischen Staatspreis oder dem Ehrenpreis der Danner-Stiftung ausgezeichnet wurden, bezeugen seine pädagogischen Fähigkeiten und die Eigenschaft, aus der eigenen inneren Freude den Funken der Begeisterung auf andere zu übertragen.“ Zur Ausstellung “Erhard Hößle – Profanes” in der Galerie Handwerk erscheint ein Katalog. Er kostet 18 Euro und wurde von Erhard Hößle gestaltet.

Was ein Silberschmied so alles machen kann zeigt die Galerie Handwerk.
Galerie Handwerk, Max-Joseph-Straße 4, Eingang Ecke Ottostraße, 80333 München, Tel. 089 595584, www.hwk-muenchen.de/galerie. Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 10–18 Uhr, Donnerstag 10-20 Uhr, Samstag 10–13 Uhr.



