Intergem feierte Jubiläum

Er stammt aus der Eifel, heißt „Hauyn“, wiegt 3,4 Karat und misst 11 × 9,5 Millimeter. Präsentiert wurde er auf der Jubiläums-Intergem von Constantin Wild.
Wer vom breiten Rheintal kommend die Nahe entlangfährt, an den Wein- und Kurorten Bad Kreuznach und Bad Sobernheim vorbei, wird nach nicht allzu langer Zeit in Idar-Oberstein ankommen. Doch so kurz die Distanz auch sein mag – nicht zuletzt durch den Ausbau der B 41 – irgendwie hat der Besuch immer auch etwas von einer Reise in eine andere Zeit.
Man wird unwillkürlich zurückversetzt in jene märchenhafte Epoche sagenhafter Edelsteinfunde, wird konfrontiert mit der Tradition der Edelsteinschleiferei, die ihre Höhen und Tiefen erlebt. Alles trägt zu diesem Eindruck bei: die engen Straßen zwischen den bewaldeten Höhenzügen, die schieferbedeckten Häuser, die Firmennamen der Schleifereien an jedem zweiten Haus. Doch so sehr die Szenerie auch zeitlich zurückweisen mag, die Edelsteinschleifer und Händler sind inzwischen doch im 21. Jahrhundert angekommen. Mehr noch, sie haben sich in der Gegenwart eingerichtet und für die Zukunft gerüstet. Wem der letzte Beweis dafür gefehlt hat, der bekam ihn vom 3. bis 5. Oktober 2009 geliefert.
Die Intergem 2009 eröffnete zum 25. Mal in einer nagelneuen Messehalle ihre Tore. Dass die Halle am Ende eines Gewerbegebietes neu ist, kann nicht genug betont werden. Denn leider macht eine etwas verunglückte Farbgestaltung, die im neuen Messelogo ihren Höhepunkt findet, einen eher verwitterten Eindruck. Doch das tat der Aufbruchstimmung keinen Abbruch.
Natürlich konnte die krisenbedingte Kaufzurückhaltung der Juweliere auch die Intergem nicht ausklammern. Mit 3625 Fachbesuchern – 2008 waren es noch 3200 – verzeichnete die Edelsteinmesse immerhin einen quantitativen Zuwachs von rund 13 Prozent. Auch die Zahl der Aussteller ist von 161 im Jahr 2008 auf 181 in diesem Herbst gestiegen. Stolz verkündete die Messeleitung: „Die in der Vergangenheit oft noch nötige Improvisation, die aber immer wieder mit enthusiastischem Pioniergeist bewältigt wurde, ist nun nicht mehr nötig.“
Zweifelsohne haben die Pioniere, die sich in der Jubiläumsfeier zum 25jährigen Bestehen am Samstagabend feierten, einen Schritt nach vorne getan. Doch darf am Konzept noch etwas geschliffen werden. Eine klarere Struktur in dem “Materialmix” der Messestände wäre wünschenswert. Nicht zuletzt die Schmuckdesigner, die teils mit dem Ausstellungskonzept „Zeitzeichen“ gefördert werden und in einem Zelt untergebracht wurden – das kommt einem doch irgendwie bekannt vor –, wirkten weitgehend als Fremdkörper auf der Edelsteinmesse. Nur in einigen Fällen – wie etwa bei den kreativen Ateliers Munsteiner, Lorenz, Delicatesse und Emmert, wo die Kunst des Edelsteinschleifens experimentierfreudig ausgeübt wird, ist eine gewisse Logik der Präsenz sichtbar. An der Fachhochschule Trier/Idar-Oberstein hingegen werden die Edelsteine sträflich vernachlässigt. Dafür träumt man, wie die Ausstellung von Studenten bewies, lieber den Traum von der großen Schmuckkunst. Losgelöst von der Tradition der Region scheint sie aber auf dieser Messe im luftleeren Raum zu schweben.

Ein oval geschliffener Kunzit aus Afghanistan, eine weitere Rarität von Constantin Wild.

„Eichelring“ von Jennifer Sauer, Stipshausen, eine der Nachwuchsdesignerinnen auf der Intergem. Foto: Jaqueline Felix.

Halsschmuck aus der Kollektion „Schmuck aus Porzellan“ von Gaby Wandscher, Gelbgold, Brillanten, Süsswasserperlen.
Sehr viel pragmatischer gehen da klassische Edelsteinschleifer wie Constantin Wild zu Werk. Professionell informierte er über neue Edelsteinfunde und Raritäten. Zum Beispiel über den heimischen „Hauyn“, der mit seinem intensiven Blau den klassischen Saphir blass aussehen lässt. Constantin Wild: „Seine Farbe ist stärker als die eines blauen Saphirs, dabei leuchtet er wie ein Paraiba-Turmalin.“ Er beschreibt den auffallenden Hauyn, den er auf der Intergem 2009 in Idar-Oberstein erstmals präsentierte, als „neon-königsblau“.
Für Dieter Hahn, Ph. Hahn Söhne, der zudem in vielen Idar-Obersteiner Institutionen maßgeblich mitwirkt, war eine Innovation im traditionellen Sinne die Erfolgsformel für die Messe im Krisenjahr 2009: Mit den exklusiven Vertriebsrechten des Gabrielle-Cut®, entwickelt von dem belgischen Diamantschleifer Tolkowsky, konnte die Diamantmanufaktur auf der Intergem punkten, was nicht allen Ausstellern trotz des munteren Besuchs gelang. Für Dieter Hahn, der am Jubiläumsabend zum Ehrenpräsident der Diamant- und Edelsteinbörse ernannt wurde, war damit die 25. Intergem ein doppelter Erfolg. Über den Gabrielle-Cut® ausführlich in einem späteren Beitrag. Reinhold Ludwig



