TRANSFORMATIONEN / Online Magazin

TRANSFORMATIONEN

29. September 2009 Brescia

Skizze in den Farben, die heute auch im Schmuck von Giampaolo Babetto „tonangebend“ sind.

Vom 3. Oktober bis 29. November 2009 zeigt die Galerie Maurer Zilioli, Contemporary Arts, Brescia, die Ausstellung „Giampaolo Babetto – Trasformazioni“. Die Eröffnung findet am 3. Oktober um 18 Uhr anlässlich der langen Nacht der Museen und Galerien in Brescia statt und ist an diesem Tag bis 24 Uhr geöffnet.

Giampaolo Babetto wurde 1947 in Padua geboren. Nach seinem Studium am Istituto d’Arte „Pietro Selvatico“ lehrte er in Padua und verschiedenen anderen Akademien. Seit langem lebt und arbeitet er in Aqua Petrarca in den Euganeischen Hügeln. Nach Mario Pinton, dem Begründer der „Paduaner Schule“, hat Babetto neben Francesco Pavan und Graziano Visintin diese italienische Schmuckschule der Moderne wesentlich geprägt. Er hat die Botschaft seines Lehrers Mario Pinton wie Nektar aufgesogen und den Paduaner Stil zur höchsten künstlerischen Vollendung gebracht. Der Ursprung seiner Gestaltung liegt hier begründet, um dann vielfache Facetten und Nebenwege zu entfalten, traditionelle Regeln und selbst gewählte Rigorosität zuweilen in Frage stellend und quasi gestalterisch in die Umkehr treibend.

DER KLAREN FORM VERPFLICHTET

Babetto bleibt stets der klaren, elementaren Form verpflichtet, aus der sich dann eine Bewegung schält oder die in weitere Körper hinauswächst und sich verspinnt mit dem Raum. Kubus und Quadrat, Quader, Zylinder und Kreis, Trapez, Pyramide und Dreieck spielen eine zentrale Rolle. Auf ihrem Fundament stimmt Babetto die Tonleiter seiner Kompositionen wie Bachsche Fugen an, von leichter Hand, elegant und beschwingt. Proportion, Maß, Perfektion und Schönheit geben die Richtung vor. Experiment und Provokation stehen nicht im Vordergrund, bereichern gleichwohl seine Schöpfungen.

Kein Wunder, bieten sich doch im Veneto, mit den berauschenden Kunstwerken des „Rinascimento“ und des Manierismus reichlich Anregung und Nahrung zur ästhetischen Reflektion im Schmuck: Giotto, Palladio und Pontormo, um nur einige zu nennen. Aber auch Minimalismus, Neo-Plastizismus, Konstruktivismus und seine zeitgenössischen Intepretation sowie die „Arte programmata/cinetica“ haben ihre Spuren in seinem Werk hinterlassen und erscheinen gefiltert in den Abstraktionen des Goldschmiedes. Landschaft und Architektur spiegeln sich in getreppten, gewellten, konzis umspannten oder gefalteten Gebäuden, in die sich dann der Körper einbettet: ein Arm oder Finger schlüpft hinein, das Dekolleté wird Bühne der bildnerischen Inszenierung.

Brosche von Giampaolo Babetto. Seit den 1990er Jahren ist die Geometrie oft nur als Grundidee erhalten und wird durch dekonstruktivistische Elemente und Drahtwicklungen ergänzt.

Von dem Renaissancekünstler Pontormo aus Florenz inspiriert: Brosche „Cherub“, Gold, von Giampaolo Babetto, 1990.

KOMPAKTE MATERIE UND TRANSPARENZ

Weißgold und lichtblaues oder rotes Pigment, Niello und mattierende Schraffur, kompakte Materie und Transparenz – das ist die eine Seite des Schaffens. Daneben wild gewickelte und geknäulte, ja gestisch pointierte Werke, oder aber solche – als Resultat der Pontormo-Studien – in Form figurativer Zitate als Erinnerungsfragment und poetischer Verweis auf eine entrückte und ideale Vorstellung von Ästhetik, welche in diesen beeindruckenden Arbeiten nachklingt. Archaisch anmutende Silbergefäße ergänzen das breite Spektrum des Autors und schließen den Reigen.

Vom Schmuck aus ging Babetto weiter – hin zur Raumgestaltung, zur farblichen Interpretation von architektonischen Zusammenhängen, hin zu einer ganz persönlichen Formfindung im Design, welches Elemente des Schmucks aufgreift und weiterverarbeitet. Längst sind die Grenzen gesprengt und Phantasie und Kreativität wuchern in andere Bereiche zur Vervollständigung eines einzigen Gedankens, zur Erschaffung eines komplexen und vollkommenen Oeuvres. Selten ist es außerhalb der einschlägig bekannten Museen möglich, diese Werke in einer von Babetto selbst getroffenen Auswahl zu sehen. (Dieser Text von Dr. Maurer Zilioli wurde geringfügig redaktionell bearbeitet.)

GALERIE MAURER ZILIOLI, VIA TRIESTE 42 B, 25121 BRESCIA, TELEFON +39 030 503 1093, FAX +39 030 503 1093. GEÖFFNET DI–SA 10-12.30 UND 15.30-19.30. ZUR AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG AM 3. OKTOBER BIS 24.00 UHR WWW.MAURERZILIOLI.COM

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