KREATIVE NÜRNBERGER / Online Magazin

KREATIVE NÜRNBERGER

23. September 2009 Nürnberg

Reiz konkaver Doppelformen. Ringe von Askan Hertwig, Gusseisen, Silber 925, Edelstahl, Blattgold und Lack.

Moderner Schmuck und Angewandte Kunst sind vernachlässigte Themen in den meisten Kulturredaktionen. Aber es gibt Ausnahmen. Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN bringen regelmäßig Beiträge über kreative GestalterInnen in der Region. Durch unseren Kontakt zu der NN-Feulliton-Redakteurin Susanne Helmer anlässlich der Buchvorstellung „Schmuck-Design der Moderne“ in der Galerie Voigt, Nürnberg, ist ein beispielhafter Dialog entstanden. Susanne Helmer freut sich über unsere „Tipps zum Thema Schmuckdesign“ und wir können die Beiträge auch auf Art Aurea veröffentlichen. Besten Dank an Susanne Helmer, an Frau Dr. Birgit Ruf und den Verlag. Der folgende Text der Nürnberger Nachrichten unter dem Thema „MEIN DESIGN“ erschien am Montag, 24. 8. 2009 – in „Nürnberg extra: Kultur und Freizeit in Nürnberg.“ Die Verfasserin ist Dr. Birgit Ruf. Bilder: Askan Hertwig, Bildunterschriften: Art Aurea.

SCHMÜCKENDES AUS GUSSEISEN UND GUMMI

Vom Ring bis zum Besteck: Gold- und Silberschmied Askan Hertwig setzt auf klare Strenge.

In unserer Serie „Mein Design“ stellen wir in loser Folge kreative Nürnbergerinnen und Nürnberger vor. Heute den Gold- und Silberschmied Askan Hertwig, der seine eigenwilligen Gefäße derzeit auch in der Ausstellung zum NN-Kunstpreis zeigt.

Klar und streng ist alles, was Askan Hertwig entwirft, seien es Ringe oder Bestecke, Silberbecher oder Armreife. Mit „Fuddelkram“ hat der gebürtige Hannoveraner nichts am Hut und meint damit die Perlchen und Anhängerchen, die im Schmuckbereich gerade in Mode sind. „Im Vergleich dazu gibt es bei mir nichts Verspieltes“, sagt der 51-Jährige.

Seit 15 Jahren ist er in Nürnberg freischaffend tätig, zuerst im Atelier in der Weißgerbergasse, seit kurzem in hellen neuen Räumen nahe des Rathenauplatzes. Vorher hat Hertwig Gold- und Silberschmieden an der Nürnberger Kunstakademie studiert und wechselt zwischen diesen beiden Metiers frei nach Lust und Laune – und Auftragslage.

Eisgenuss für Ästheten: Mit Eislöffeln aus Silber 925 von Askan Hertwig.

Klassisches Thema zeitgenössischer Silberschmiede: Handgeschmiedete Becher aus Silber von Askan Hertwig.

Derzeit arbeitet er an seinen aufwändigen Deckelgefäßen aus Eisenguss, die er mit Wachsformen vorbereitet. „Ich mag Materialien, die nicht so gängig sind. Gusseisen kennt man eigentlich nur noch aus der Küche von den Brätern“, sagt der Künstler über seine gewichtigen, rußschwarzen Arbeiten: Drei bis vier Kilo sind die Gefäße schwer. Er kann aber auch klein und fein, glänzend und funkelnd: Für seine Ringe verwendet er rostfreien Edelstahl und Blattgold, Silber und manchmal auch synthetische Steine. „Es geht um die Farbe, nicht darum, teure Steine zu verwenden“, sagt der Entwerfer, der aber insgesamt mit der Farbe sehr zurückhaltend umgeht. Am liebsten arbeitet er mit den verschiedenen Schattierungen von Grau und Schwarz. Mit seinen neuesten Materialexperimenten aus Gummi bleibt er also seinem bevorzugten Farbenspektrum treu.

Askan Hertwig bevorzugt reduzierte Geometrie: Ketten aus Gold 750 und mit Onyx-Einlagen.

Durch- und Einblicke sind ein wiederkehrendes Thema in seiner Formensprache. Eine seiner Ring-Serien beispielsweise modifiziert immer wieder aufs Neue ein und dieselbe Form: Kleine hohle, organisch-rund geformte Näpfchen, die auf dem Ring „wachsen“. Schwarz lackiert vermittelt die Innenseite je nach Lichteinfall den Eindruck, als sei die Hohlform mit Metall gefüllt. Mit Blattgold ausgelegt, reflektiert sie das Licht. „Ich entwerfe Dinge beim Machen“, sagt Hertwig. Aus einem Entwurf ergeben sich Ideen für Variationen, was man sehr schön an der Ring-Kollektion sieht, die er im Atelier ausbreitet. Und an den beiden Armreifen aus Edelstahlguss. Indem er unterschiedliche Partien (ab-)geschliffen hat, gab er den beiden Abgüssen jeweils einen ganz anderen Charakter. Kleine Details, die große Wirkung entfalten.

Apropos große Wirkung: Um die Aufmerksamkeit für das Kunsthandwerk aus und in der Region zu erhöhen, gründete Hertwig 1996 zusammen mit Kollegen das „Forum für angewandte Kunst“. Regelmäßig veranstaltet der Zusammenschluss Nürnberger Kunsthandwerker die Ateliertage für angewandte Kunst und andere Ausstellungen. Die nächste ist ab 6. November im Neuen Museum in Nürnberg zu sehen. BIRGIT RUF

Das Atelier von Askan Hertwig ist in der Nunnenbeckstraße 18. Tel.: 0911/224342. Askan Hertwig