Zeitfassungen

Kameralinsen statt Edelsteine. Brosche von Jiro Kamata zu sehen bei Eva Maisch.
„Zeitfassungen“ nennt Eva Maisch die Ausstellung mit Jiro Kamata und Bettina Speckner. Zur Vernissage am 18. September, 19.00 Uhr, erwartet die Gäste eine szenische Einführung von Dr. Markus Grimm. Beide Schmuckkünstler – sie sind bei der Eröffnung anwesend – haben an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Beiden gemeinsam ist auch die Autonomie ihrer Schmuckstücke als künstlerische Objekte. Auf vollkommen unterschiedliche Weise berühren beide unserer gegenwärtige (Gefühls)welt.
JIRO KAMATA
Der Japaner Jiro Kamata verwendet industriell gefertigte Linsen aus Kameraobjektiven und Gläser von Sonnenbrillen. Im überraschenden Kontext von zeitgemäßem, handwerklich gefertigtem Schmuck eröffnen die verschiedenfarbig glänzenden „Augen“ der Kamera neue Sichtweisen und Wahrnehmungen auf handwerkliche Höchstleistungen und unsere Kultur. Kamata wurde dabei vor allem von den Texten des Schriftstellers Tanizaki Juníchiro geleitet." Dieser hat in dem Buch „Lob des Schattens" einfühlsam die Eigenart und den Reiz der japanischen Ästhetik beschrieben.

„Kameraaugen“, die nicht aufhören zu „sehen“. Brosche des Japaners Jiro Kamata. Kameralinsen, gefasst in Silber geschwärzt, Lack.
Jiro Kamata wurde 1978 in Hirosaki, Japan, geboren. Von 1996 bis 1998 besuchte er das Yamanashi Institute of Gemology and Jewellery Art. 1998 kam Jiro Kamata nach Deutschland und absolvierte bis 1999 ein Gaststudium an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim im Studiengang Schmuck und Gerät. 2000 nahm er an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg mit Professor Johanna Dahm teil. Von 2000 bis 2006 folgte das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Otto Künzli. 2004 wurde der japanische Schmuckgestalter Meisterschüler und gründete 2005 sein Atelier in München. Seit 2009 ist Kamata künstlerischer Mitarbeiter an der Akademie der Bildenden Künste München, im Bereich Schmuck und Gerät.
Zu seiner Technik schreibt Otto Künzli: „Er lackiert die Gläser einseitig schwarz … Und er setzt die Glaskörper in flache, schwarz gefärbte Behälter aus Silber. Ein feines kreisförmiges Band umschließt und schützt die fragile Kante, der flache Boden bedeckt den Lack und definiert das Hinten, und somit das Vorne. Mit Kettengliedern verbunden sind dann mehrere Elemente mit unterschiedlichen Durchmessern zu einem Halsschmuck gereiht. Andere sind mit Stegen überbrückt und formen Broschen, die an Orden oder abstrahierte Blumen erinnern.“
BETTINA SPECKNER
Fotografien spielen eine wichtige Rolle im Schmuckschaffen von Bettina Speckner. Manchmal sind sie alt, zeigen Plätze und Menschen vergangener Zeiten, oft hat sie diese selbst gemacht: Baumstämme, einsame Landschaften, Blumen oder Kakteen. Ornamentale Silberfassungen in Verbindung mit verblichenen Schwarzweißfotos erwecken den Eindruck von historischen Aufnahmen. Doch sie sollen nicht auf Kommoden stehen oder an Schlafzimmerwände wandern. Ihr Schmuckcharakter wird betont durch den einfühlsamen Besatz mit kleinen, auf der Bildebene verteilten, klassische gefassten Edelsteinen oder emaillierten Ornamenten. Die Broschen und Miniaturen erwecken so den Eindruck von Vergänglichkeit und verraten unseren Wunsch, Vergangenes zu bewahren. So sind die Broschen von Bettina Specknet nostalgische, melancholische Orte und Symbole des Gedenkens und der Erinnerung.

Edelsteine auf Kakteen. Brosche von Bettina Speckner, gefasste Fotoätzung, Zink, Silber, Berylle.

Brosche, Bettina Speckner, Fotoätzung mit historischem Motiv, Zink, Silber, Türkise. Ausgestellt bei Eva Maisch.
Bettina Speckner wurde 1962 in Offenburg geboren. Nach dem Abitur 1982 begann sie 1984 an der Akademie der bildenden Künste, München, in der Malklasse von Professor Sauerbruch zu studieren. 1986 wechselte sie in die Klasse für Schmuck und Gerät von Professor Hermann Jünger, die 1991 von Professor Otto Künzli weitergeführt wurde. Auf das erste Staatsexamen 1992 folgte 1993 das Diplom. 1992 gründete die Schmuckkünstlerin ihre eigene Werkstatt in München und ist jetzt Übersee tätig.
Die Arbeiten von Bettina Speckner wurden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt und mit Preisen gekrönt. Sie sind in wichtigen öffentlichen Sammlungen und Museen vertreten. Auf ihrer Webseite heißt es: “Bettina Speckner findet, was viele zu suchen vergessen haben. Sie berührt etwas in uns, indem sie dem Wesentlichen in den Dingen so nahe kommt, wie man ihm nahe kommen kann. Es bleibt ein Geheimnis.“ Die Galerie Eva Maisch in Würzburg unterstreicht mit der Ausstellung dieser beiden Künstler der internationalen Spitzenklasse ihren Anspruch als Botschafterin moderner Schmuckkultur in der beschaulichen Domstadt.
Die Ausstellung „Zeitfassungen“ ist vom 18. September bis 17. Oktober 2009 in der Galerie Eva Maisch, Sterngasse 5, 97070 Würzburg, zu sehen. Öffnungszeiten Montag bis Freitag, 10.00–18.00 Uhr, Samstag, 10.00 bis 15.00 Uhr.



