Maike Dahl und Michihiro Sato

Schmuckkunst der Spitzenklasse aus Japan. Broschen aus Papier von Michihiro Sato
Im vergangenen Sommer zeigte die Galerie detail3, Düsseldorf, in der Ausstellung „Hans und Herman“ die Arbeiten von zwei Schmuckkünstlern „im Doppelpack“. Dieses Jahr sind die ebenso poetischen wie alltagstauglichen Silbergefäße von Maike Dahl aus Hannover sowie der absolut anziehende Papierschmuck von Michihiro Sato aus Itami/Japan an der Reihe.
„Das Wertvollste an Silber ist, es zu benutzen“, sagt Maike Dahl. Sie möchte Silber wieder zurück in den Alltag bringen. Doch verzichten ihre in Handarbeit geschmiedeten Gefäße, Becher und Bestecke dabei keineswegs auf ein anspruchsvolles künstlerisches Konzept. Charakteristisch an vielen Gefäßen sind ihre konstruktiv bedingten Faltungen. Dadurch erscheinen die dünnwandigen Gebrauchsobjekte zum Teil wie Entwurfsmodelle, aus Papier in Form geschnitten, einfach zusammengefaltet. Dem Benutzer erschließt sich damit die Idee der Formen, die logisch und spontan erscheinen. Ganz so, als ob der Entstehungsprozess immer lebendig bleibt in den Gefäßen.
Ihre Ausbildung, zunächst als Goldschmiedin, machte Maike Dahl von 1989 bis 1992 an der Berufsfachschule für Glas und Schmuck Kaufbeuren-Neugablonz. Von 1993 bis 1998 besuchte sie die Fachhochschule für Gestaltung Hildesheim/Holzminden und machte dort ihr Diplom im Fachbereich Silberschmieden und Metallgestaltung. Von 1996 bis 1997 besuchte Dahl zwischenzeitlich das Camberwell College of Arts in London mit dem Abschluss als Bachelor of Arts. Seit 1998 arbeitet die Silberschmiedin und Metallgestalterin im eigenen Atelier in Hannover. Dort entstehen überwiegend alltagstauglichen Einzelstücke in Silber und/oder persönliche Schätze, wie sie sagt.
Mit Maike Dahl stellt die Galerie „detail3“ in Düsseldorf das Werk einer Metallgestalterin und Silberschmiedin der neuen Generation vor. Es sind Gefäße und Bestecke, die fern vom Tafelsilber herkömmlicher Prägung für den Gebrauch von heute bestimmt sind. „Mein Tafelsilber ist einfach in der Handhabung, spülmaschinenfest und passt sich perfekt dem Zeitgeist der ‘take-away’ Generation an: mobil, flexibel und eigenständig“, betont die Gestalterin. Dass die Dinge der Alltagskultur zudem einem hohen künstlerischen Anspruch genügen und dem Benutzer täglich ein sinnliches Vergnügen bereiten, macht schon allein den Besuch der Ausstellung wert. Doch dies gilt auch für den Schmuck von Michihiro Sato.

Zeitgemäßes Gebrauchssilber. Becher von Maike Dahl.

Maike Dahl legt wert auf Alltagstauglichkeit. Nüsse, serviert in Gefäßen der Silberschmiedin.

Süßes mit Hingabe verzehren und mit den handgeschmiedeten Löffeln und Gabeln von Maike Dahl.
FRAGILES VON MICHIHIRO SATO
Früher bezeichnete Michihiro Sato seine Schmuckarbeiten, die vorwiegend aus bedrucktem Papier gefertigt sind, gerne als sensibel. Heute verwendet und hört er lieber den Begriff „fragil“. Michihiro Sato lebt in Itami in Japan. Bis 1986 studierte er an der Gunma University in seinem Heimatland und kam mit dem Abschluss des Bachelor of Arts 1988 für zwei Jahre an die Fachhochschule Pforzheim. Anschließend absolvierte er ein BA-Studium in Oslo an der National Academy of Arts. 2004 kehrte er nach Japan zurück.
In Itami lebt und arbeitet Sato in einem traditionellen japanischen Haus. Im ersten Stock befinden sich die Reste einer alten Waschküche. Ein verrosteter und verbogener Eisenofen und die übrig gebliebenen Plastikgestelle öffnen ihm immer wieder den Blick für die Schönheit vergänglicher Materialen und Formen. „Ich denke, dieser Platz ist so schön. Ich fühle die Materialien und mich selbst bei jedem Schritt“, sagt er. Hier fühle er die Fragilität der Umgebung und von sich selbst.
Die Ringe, Anhänger und Broschen von Michihiro Sato bilden eine ideale Ausstellungsergänzung zu den Silberschmiedearbeiten von Maike Dahl. Formal und thematisch sind die Schmuckobjekte des Japaners und die Gefäße der deutschen Metallgestalterin vollkommen eigenständig. Das Thema Papier, in den gefalteten Behältnissen von Maike Dahl nur als Gestaltungsidee vorhanden, gibt den Stücken von Michihiro Sato die besondere Aura. Beides ist ausdrücklich für den Gebrauch gedacht und dieser Gebrauch soll Spaß machen, aber wird auch Spuren hinterlassen. Ob wir uns, wie Sato sagt, „Sorgen über die Veränderung“ machen oder das „Vergnügen der Veränderung“ erleben, liegt ganz an uns.

Ringe, geschwärztes Silber mit bedrucktem, verschiedenfarbigen Papier von Michihiro Sato.

Objekte von fragiler Schönheit, die Anhänger des Japaners Michihiro Sato.
Die Ausstellung Michihiro Sato und Maike Dahl wird am Sonntag, den 23. August 2009, 11.00 Uhr eröffnet und dauert bis 26. September. Galerie detail3, Blücherstrasse 47, 40477 Düsseldorf, Telefon 0211-465864. www.detail3.de



