Peter Schmitz

Schale von Peter Schmitz. Stahl, Silberlot, Durchmesser 32 cm.
Wer Art Aurea über Google sucht, wird (zum Zeitpunkt als dieser Text entstand) mit der Webseite von Peter Schmitz und zwei früheren Ausgaben von Art Aurea aus den Jahren 1988 und 1990 konfrontiert. 1988 hatte Peter Schmitz gerade sein Studium der Metallgestaltung in Hildesheim beendet. Der Beitrag „Jenseits der Sinnlichkeit“ rückte die Tischkultur in den Fokus und zeigte Tischobjekte der Klasse Werner Bünck. Neben den Schalen von Peter Schmitz wurden die Teekannen, Gefäße und Kerzenleuchtern der Metallgestalter und Silberschmiede Andreas Fabian, Walter Witt und Andreas Decker vorgestellt.
Professor Bünck bemerkte damals dazu: „Gerät/Gefäß bedeutet in Hildesheim in erster Linie das mit silberschmiedischen Mitteln geschaffene Einzelstück. Funktion, Material und Herstellungsweise sind immer wieder neu und sensibel zu erfahren und aus so gebildeten Emotionen neu zu formulieren. Ziel ist weder Innovation als Selbstzweck noch wohlproportionierte Addition von Funktionen, sondern ganz unprätentiös das Gebrauchsgerät – sinnlich und skulptural.“
Rund 20 Jahre sind seitdem vergangen. Die neue Art Aurea hat sich auf Google in kurzer Zeit nach oben, ganz nahe an Peter Schmitz geschoben. Was lag näher, als dem Hildesheimer Metallgestalter eine Mail zu schreiben, um die Nähe auf Google in einem neuen Magazin-Beitrag zu untermauern. Zumal wir auch das Thema Objekte der Alltagskultur auf Art Aurea zukünftig stärker behanden werden. Erste Reaktion von Peter Schmitz: „Hallo Herr Ludwig, schön mal wieder von Ihnen zu hören. Ich habe mir den Artikel (Jenseits der Sinnlichkeit) noch einmal aus dem Regal gegriffen. Mann, das ist ja schon über 20 Jahre her. Wenn Sie das heute noch einmal drucken würden, würde es wohl immer noch passen.“ Und was macht Peter Schmitz heute?
MULLEWAPP UND DIE PALASTHALLE DES MAHARADJA
Der Metallgestalter führt eine offenbar sehr erfolgreiche Werkstatt mit einem fröhlichen, zwölfköpfigen Mitarbeiterteam. Zu den jüngsten Arbeiten bemerkt Schmitz: „Spannende Projekte der letzen Zeit waren z. B. das „Mullewapp“ oder die „Palasthalle der Maharadja“ im Zoo Hannover. Diese Projekte sind beispielhaft. Mit meinem Planungsbüro „SSP Schmitz Schiminski Partner“ haben wir einen Planungsauftrag, und mit meinem Einzelunternehmen „Metall & Gestaltung“ setzen wir die schwierigen Sachen dann auch selber um.“

Kronleuchter des Metallgestalters Peter Schmitz in der Palasthalle des Maharadja im Zoo Hannover.

Wandleuchter aus der Werkstatt „Metall & Gestaltung“ von Peter Schmitz. Palasthalle des Maharadja.

Ein Kronleuchter „ohne Design“ im zauberhaften „Mullewapp“, Zoo Hannover.

Im „Mullewapp“ dienen die guten alten Zinkeimer als Abflussrohr für zwei Dachrinnen. Eine Kreation aus der Metallwerkstatt von Peter Schmitz, Hildesheim.

Der Hullmann-Affenleuchter im Zoo Hannover.
Was der damalige Beitrag “Jenseits der Sinnlichkeit” für ihn bedeutet hat, wollten wir noch von Peter Schmitz wissen. Seine Antwort: „Zum damaligen Zeitpunkt war das sicher eine wichtige Sache für mich. Art Aurea war ein der wenigen, guten Zeitungen die sich mit der Dingwelt beschäftigt haben. Ein Bericht dort war gut fürs Ego. Als junger Bengel kommt man sich dann auch ernst genommen vor. Irgendwie war das auch ein kleiner Schritt, in den Weltenlauf einzugreifen und die Dinge in die Richtung zu lenken, die wir für richtig und wahr hielten. Es gab halt wesentlich mehr Diskussionen und Streitgespräche, wir hatten Performances und Musik-Sessions gemacht, sehr viele Ausstellungen, eine eigene „Avantgarde“ Galerie gegründet… In diesem Kontext war eben auch „Jenseits der Sinnlichkeit“ eine wichtige Marke.
Konkret habe der Beitrag nichts bewirkt, erklärt Peter Schmitz im Rückblick. „Absolut keine Reaktion von Galeristen, Käufern, Ausstellungsmachern, Museen.“ Wirtschaftlich sei eigentlich nur ein dreiseitiger Bericht in „Schöner Wohnen“ von 1991 interessant gewesen. Darüber würden sich auch heute noch Menschen melden.
„Mein Eindruck ist, dass „Brigitte“ und „Schöner Wohnen“ mehr kulturellen Einfluss haben als alle Museen zusammen. Doch worauf basiert nun der Erfolg für den künstlerisch gebildeten Silberschmied? Wer sind seine heutigen Kunden?
Peter Schmitz empfiehlt: „Keine Meinung so genannter Autoritäten, seien es Professoren, Galeristen oder Sammler, unhinterfragt zu akzeptieren.“ Vielmehr sei es wichtig, die Ereignisse und Trends „um einen herum“ zu erforschen und seine eigenen (Um)Wege zu gehen. Zum Internet bemerkt Schmitz: „Wir haben über fünf Millionen Klicks jährlich auf unsere Homepage – Tendenz jedes Jahr um mindestens 20 % steigend.“ 10–20 Prozent der Kunden der Werkstatt „Metall & Gestaltung“ sind Endkunden mit einem Umsatz unter 200 €. 30–40 sind Auftragsarbeiten am Bau. 20–30 Prozent kommen von gewerbliche Kunden in Form von Großprojekten, Kunst am Bau oder Stelen und 10–25 Prozent sind Privat- und Geschäftskunden, sagt der Metallgestalter, die sich Kunst gönnen.
Bleibt zu bemerken, dass sich Peter Schmitz nicht nur „Jenseits der Sinnlichkeit“ betätig hat, in den vergangenen zwei Jahrzehnten. In seiner Werkstatt entstehen die Dinge, die den Konsumenten gefallen und die sie brauchen: vom Balkon- und Treppengeländer bis hin zu Treppen, Gittern, Türen und Toren, von Rankgittern und Gartenobjekten bis hin zu Heizkörpern, Verkleidungen, Kaminen und Feuerstellen, von Prospekthaltern, Pinwänden, Briefkästen bis hin zu Paravents und Windfängen und vielem mehr. Manchmal arbeitet seine Werkstatt auch an Traumwelten für Kinderseelen mit – wie im Zoo Hannover.

Objekte zwischen Kunst und Alltagstauglichkeit, eine Spezialität des Metallgestalters Peter Schmitz.



