3 x 2 bei Mangold / Online Magazin

3 x 2 bei Mangold

21. September 2010 Leipzig

Dimitar und Dani, der Schmuckkünstler Dimitar Deltchev und die Galeristin Daniela Seidel.

Schmuck aus Bulgarien von Zwetelina Alexieva, Dimitar Deltchev und Nikolay Sardamov ist derzeit in der Galerie Mangold in Leipzig zu sehen.Nachfolgend Auszüge der schönen Eröffnungsrede von Andrea Richter-Mahlo: „Die Galerie Mangold bietet heute etwas besonders. Es gibt nur wenig vergleichbare Orte für Schmuckkunst. Da fällt mir beispielsweise die Galerie von Helen Drutt in Amerika ein, oder ich denke an die Galerie V&V in Wien, oder die Smit-Galerie in Amsterdam. Auf diesem internationalen Podium spielt Familie Seidel – das muss ich einfach einmal sagen. Ich wünschte, die Stadt würde mehr mit diesem Pfund wuchern…

Der Titel 3 × 2 ist rätselhaft. Ich dachte erst an Zahlensymbolik oder an den Code eines Schmucktresors. Nein: 3 Künstler aus Sofia stellen jeweils ihre 2 Schmuck-linien vor. Einmal Schmuck aus den traditionellen Edelmetallen und experimentelle Dinge aus unedlen Materialien. Ich bin immer wieder von der Phantasie und dem Erfindungsreichtum der Schmuckkünstler überrascht. Bereits seit den 60igern und 70igern Jahren verwenden die Künstler neben den tradierten Edelmetallen auch gleichberechtigt in der Gestaltung unedle Materialien.

Sofia – Bulgarien – Sonnenstrand – welcher Schmuck entsteht unter dem blauen Himmel? Es sind Arbeiten, die in einer Linie mit der internationalen Schmuckkunst zu nennen sind.
Dimitar Deltchev, 1949 geboren, war erst Glasdesigner, u.a. auch Lehrer für Schmuckkunst in Kuweit, Nikolay Sardamow hat erst Kunstpädagogik studiert, dann Später noch Metall an der Kunstakademie in Sofia und Zwetelina Alexieva hat in Sofia Germanistik und Anglistik studiert. In Deutschland absolvierte sie eine Goldschmiedeausbildung.
Warum stellen die drei Künstler zusammen aus? Diese Gruppe tut es nun seit 4 oder 5 Jahren. Als ich ihre Arbeiten sah, war es für mich offensichtlich. Auch wenn sie sich sehr unterschiedlicher Techniken bedienen – ihr Schmuck hat eine Gemeinsamkeit – er ist sehr plastisch – es sind Skulpturen am Körper. Generationsübergreifend ist die Haltung zum Schmuck – sie könnten ihre Empfindungen wohl auch in einem anderen Medium ausdrücken.

Also Nikolay Sardamov verbirgt das Silber – das klassische Edelmetall – unter Fahrradschläuchen – perforierten und unperforierten. Besonders interessant finde ich seine aus kreisförmigen Teilen zusammen gesetzten Broschen, Anhänger und Ohrschmuck. Die oberen Kreise sind beweglich. Diese Kreise symbolisieren auch das ins sich Geschlossene, Vollkommenheit. Durch die Schichtung dieser geometrischen Elemente entsteht eine ungewöhnliche transparente Plastizität.

Dimitar Deltchev reiht Bälle aneinander, futuristisch anmutende Ringe entstehen aus Gummi. Ringmuster kann man selbst bestimmen. So kann man aus 3 Ringen einen zusammen setzen. Oder 2 Ringe einzeln tragen oder vereint. Seine Ketten aus Feinsilber sind nicht gelötetet, sondern geschweißt. Plastikschläuche werden zum Arm- und Handschmuck. Besonders empfehlen möchte ich Ihnen seine Ringe aus Moosgummi. Man trägt etwas, was man kaum spürt und man hat ein großes bildhauerisches Potenzial am Finger. So kann man sagen: Die Arbeiten der drei Gestalter eint: Plastizität im Schmuck und Beweglichkeit der Stücke.

Ein Beweis sind auch die Tütenbroschen von Zwetelina Alexieva. Wie „Fühler“ wachsen die Kunststoff-Teile aus der Edelmetallplatte. Wie Maler mit Farben gestalten, so „malt“ sie mit ihren Kunststofftüten. Ihre großen Ketten mit den gegossenen plastischen Teilen wirken sehr filigran. Die alte Technik wird hier in eine zeitgenössische Sprache verwandelt.
Alles, was so leicht wirkt, ist sicherlich in der Herstellung, im Durchdenken der gestalterischen Ideen Schwerstarbeit. Mir fällt der Satz von dem Schriftsteller Franz Kafka ein: „Jeder, der die Fähigkeit hat Schönes zu erkennen, wird nie alt.“

3 × 2 noch bis 13. November 2010.
Öffnungszeiten: Mo – Fr 12 – 19 Uhr, Sa 11 – 18 Uhr
Schmuckgalerie Mangold, Thomaskichhof 17, 04109 Leipzig
Telefon +49 (0)341 22540699, Mobil +49 (0)173 3854339. www.galerie-mangold.de

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