Paradiesische Schmuckwelten / Online Magazin

Paradiesische Schmuckwelten

20. September 2010 Hildesheim

Reif „Knospen“ von Christja Tritschler, zu sehen in der 6. Werkstattausstellung von Bindernagel und Sättele in Hildesheim.

In diesem Jahr haben Kathrin Sättele und Marit Bindernagel acht Absolventen der HAWK-Hildesheim zu ihrer Ausstellung „Alles Schmuck!-SCHAFFENDE 6“eingeladen. Die Abschlussarbeiten werden in den Räumen des Werkstattateliers, zum Teil erstmalig, einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Gemeinsam ist allen Künstlern das Schmuckstudium bei Professor Georg Dobler. Es wird eine authentische, frische, ursprüngliche und spannend umgesetzte Schmuckkultur zu sehen sein.

„Sakura“, durch Kirschblüten inspirierte Broschen von Thanh – Truc Nguyen; „Echos“, auf poetische Weise in Glas eingefangen von Bernhard Simon; „paradise into jewelry“ mit rot-erdigem Kupfer gezeichnete raumgreifende Arbeiten von Martina Palstring, sind Teil dieser Ausstellung unterschiedlichster Schmuckarbeiten.

Zu ihren Netzwerk-Broschen erklärt Inga Krause: „Die Schmuckstücke sind auf eine künstliche Weise organisch aufgebaut… Durch das Tragen werden sie zum Teil der Kommunikation und des sozialen Netzwerkes. Auf den Oberflächen der Broschen herrscht ein klares Chaos vor und doch scheint sich das Muster nach einem Prinzip zu richten. Das Chaos wirkt durch die kleinen quadratischen Felder im Detail sehr klar und statisch.“

„Mein Porträt wird Schmuck“ heißt die Brosche von Vera Schellhorn: “In meiner Thesis beschäftigte ich mich mit dem Thema Porträt, genauer gesagt, mit meinem Porträt. Ich habe experimentelle Zeichnungen von mir angefertigt, um sie in Schmuck zu integrieren. Entstanden sind dabei Kettenanhänger und Broschen aus Silber und Polymer Clay.

Martina Palstring bemerkt zu ihrer „Blüte in voller Pracht“ aus Kupferdraht und Email: „Die Brosche symbolisiert den Kreislauf des Lebens: Von der Knospe zur prachtvollen Blüte bis hin zum Vergehen der Form. Die linke blütenartige Form symbolisiert das Entfalten zum Leben. Die rechte Form zeigt die Blüte in voller Pracht, das sprießende Leben. Die Grundfläche symbolisiert den zurückführenden Zustand, das Vergehen der Blüte. Der partielle Emailauftrag gibt der Grundform eine vergängliche Erscheinung. Die Form erinnert an verwelkte Blüten, aus denen wiederum das Leben erwacht. Die Knospe und die Blüte öffnen sich zum Licht. Sie werden vom Licht durchflutet.“

Bettina Götsch zu ihrer Schmuckserie “Kreisornament” in Silber: „Ein wichtiger Punkt bei den Stücken ist die Interaktion. Der Träger kann die “Form” des Schmuckstückes, das Ornament, das auf dem Körper gebildet wird, selbst bestimmen und variieren. Er entscheidet über die Positionierung des Ornaments am eigenen Körper. Es entsteht ein spielerischer Umgang mit den Schmuckstücken, der Träger kann sich auf diese Weise selbst “ornamentieren”. Teilweise sind sie an der Rückseite mit Pins versehen, mit denen die Ketten an der Kleidung festgesteckt werden können.

Thanh-Truc Nguyen bemerkt zu den Broschen „Sakura“: „Durch das Arbeiten mit Textilien erhalte ich neue Besonderheiten und Eigenschaften wie Elastizität und Transluzenz. Durch das Färben und Befüllen entstehen pralle Formen die mich in ihrer Üppigkeit an Kirschblüten erinnern. Dabei hält der Stoff die Ballung kleinster Perlen zusammen. Die runden Formen und die Sensibilität der Materialien wecken Emotionen und verleihen dem Stück etwas Lebendiges und Sinnlichkeit. Daher stört es mich nicht, dass man behutsam mit ihnen umgehen muss. Mir gefällt der Gedanke, dass der Träger oder die Trägerin dabei eine beschützende Rolle einnimmt.“

Kathrin Sättele: „Meine zarten und gleichzeitig spannungsvollen Schmuckstücke bestechen durch Leichtigkeit und plastisches Volumen. Sie besitzen eine kompromisslose und unaufgeregte Modernität, sowie zeitlose Eleganz. Von zentraler Bedeutung ist dabei der Schmiedeprozess. Der Hammerschlag bestimmt den Schwung und die Stärke der Linien. Indem der Querschnitt von rund zur Fläche wechselt, entstehen Formverläufe, die den Schmuck lebendig und gewachsen erscheinen lassen. Der geschmiedete Golddraht erweckt zudem Assoziationen von dreidimensionalen Kalligrafien.

Marit Bindernagel zu ihren Handbroschen „Stufen“: „Raum und Zusammenspiel durchziehen meine Arbeiten, in vielfältiger Form. Entfalten Beziehungen, öffnen sich, geben Raum…“

Brosche 1 „Echos“: des nachts ohne ruh, reiten andere mit revolvern zu ihrer freiheit.

Brosche 3 „Echos“: deine hand in meiner, wort für wort, kann ich es nicht leugnen.

Bernhard Simon widmete sich in „Echos – Fragmente eines Moments“ kurzen Momenten aus seinem Leben, die von Zeit zu Zeit in ihm aufflackern. „Bruchstücke von Ereignissen, deren Ursprung mir schon derweilen entfallen ist, die nur aus einigen Worten, Gesten und Einzelbildern bestehen. Wobei ziemlich schnell klar wurde, dass es sich immer um zwei Themen handelt, die mich beschäftigen. Die Natur und die Liebe, zwei Gewalten die mich überwältigen, zerstören und auf(er)leben lassen.Tief muss ich in mir bohren, um zu finden, was da nach mir ruft. Mit der Zeit lagert sich alles zum Teil noch unverarbeitet ab. Diese Erinnerungen sind schon so fern, dass mein Eindruck davon vielleicht schon nicht mehr der Wahrheit entspricht. Aber wichtig ist, das nun auch nicht mehr, denn ich fand eine neue Ästhetik dieser Momente.“

Eröffnung am Freitag, den 1. Oktober, 19 Uhr
Am 2./3. Und 9./10. Oktober jeweils von 11-19 Uhr
Werkstattatelier Sättele / Bindernagel
Heinrichstr.26 / Hinterhaus
31137 Hildesheim
Tel. +49 (0)5121 741390

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