Origami in Keramik

Schale aus der Serie Moments of Growth von Ann Van Hoey.
Die Belgierin Ann Van Hoey zeigt eindrucksvoll, wie Keramik heute erscheinen muss, um ihr biederes Töpferimage ein für allemal abzuschütteln. Im Entrée des Cultuurcentrums Mechelen sind die Arbeiten von Ann Van Hoey zusammen mit Glasobjekten von Carine Neutjens noch bis 20. Juni zu sehen.
Die studierte Wirtschaftsingenieurin Ann Van Hoey kam erst spät zur Keramik. Ihre Ausbildung am Institute for Arts and Crafts in ihrer Heimatstadt Mechelen schloss sie erst 2006 ab. Bereits im darauf folgenden Jahr wählte „Design Vlaanderen“ ihre „Étude Géométrique“ in der Kategorie „Entdeckung“ aus. 2008 folgte die Einladung zur Biennale International in Vallauris, Frankreich. 2009 erhielt die Keramikkünstlerin gleich drei internationale Preise.

Étude Géométrique von Ann Van Hoey.
„Geometrische Studie“ nennt Ann Van Hoey eine Reihe von fünf Schalen, die uns elementar und zeitgemäß das Wesen ihrer (Handwerks-)Kunst vor Augen führen. Den Ausgangspunkt bilden dünn gewalzte Halbkreise aus Ton, die auf der Drehscheibe zu perfekten, halbrunden Schalen geformt werden. Mit der Schere schneidet die Keramikerin den lederhart getrockneten Ton ein und faltet die Schnittstellen übereinander. Die Einschnitte öffnen den Weg zu neuen Formen und Volumen, deren Logik und Klarheit nicht nur Minimalisten begeistert. Ohne jegliches Dekor kommen Materialität und Farbigkeit des Tons vollendet zur Geltung. Durch die Verbindungen von Linien und Flächen entstehen reizvolle, skulpturale Wirkungen. Die vom Origami inspirierte Technik löst neue Assoziationsketten aus.

Tasse „Rozet“, Porzellan.
Die Gefäße der Serie „Rozet“ erinnern an Büttenpapier, das über filigranen Holzgestellen getrocknet ist. Statik und Balance, Schwere und Leichtigkeit, Ton und Papier sind bei Ann Van Hoey keine fest gefügten Begriffe, sondern lassen sich durch kreative Ideen und innovative Handwerkstechniken verändern.

Ann Van Hoey und Carine Neutjens. 7. Mai – 20. Juni 2010, täglich 11 – 17 Uhr. Cultuurcentrum Mechelen, Entrée. Minderbroedersgang 5.
www.cultuurcentrummechelen.be



