Design unterm Hammer

„Well tempered chair“ von Ron Arad, 1986. Hersteller Vitra AG. Schätzpreis 8000 Euro, Zuschlag 6000 Euro.
Auf der Design-Auktion am 9. Februar 2010 im Hause Quittenbaum, München, fanden Möbel und andere Objekte des 20. Jahrhunderts neue Besitzer. Im 91. Jahr nach Gründung des Bauhauses sind Entwürfe der frühen Moderne besonders gefragt. Erwartungsgemäß erreichten diese auch die höchsten Preise.
Mit einem Zuschlag von 10000 Euro war das Bauhaus-Schachspiel von Josef Hartwig (Entwurf 1924) eines der kostspieligsten Objekte der gesamten Auktion. Weitere Werke von Gestaltern der Bauhaus-Ära erzielten ebenfalls hohe Zuschläge. Etwa der Schreibtisch „B-91“ des Architekten Marcel Breuer mit 2900 Euro sowie das 1929 entworfene und bei der Firma Fuld hergestellte „Bauhaus-Telefon“ mit 2200 Euro, doppelt so viel wie der Schätzpreis. Es gab allerdings auch Objekte aus der Bauhauszeit, die unverkauft blieben, zum Beispiel zwei Freischwinger „S-32“ von Marcel Breuer mit einem Schätzpreis von 1100 Euro.

„Bauhaus-Schachspiel“ von Josef Harting, 1924. Schätzpreis 9000 Euro. Zuschlag 10000 Euro.

Schreibtisch „B-91“ von Marcel Breuer, 1932. Ausführung Thonet, Frankenberg. Schätzpreis 2500 Euro, Zuschlag 2900 Euro.

„Bauhaus-Telefon“, 1929. Ausführung Fuld und Co., Frankfurt am Main. Schätzpreis 1100 Euro, Zuschlag 2200 Euro.
Der Tradition des Bauhauses verpflichtet war in ihrer Anfangsphase die Hochschule für Gestaltung in Ulm. Max Bills „Ulmer Hocker“ (Entwurf um 1953) steht sinnbildhaft für die Ausrichtung der Schule: Reduktion und Funktionalismus. Ein solches Exemplar, aus dem ehemaligen Haushalt des genialen Grafikers und Gestalters Otl Aicher, konnte sich ein Münchner Sammler erst für 5500 Euro sichern, fast das Doppelte des Schätzpreises (2800 Euro). Die berühmte Küchenuhr Max Bills (entworfen für Junghans 1956/57) war einem anderen deutschen Sammler das Dreifache des Schätzpreises wert. Für 2100 Euro gewann er das Bietgefecht gegen ein amerikanisches Museum.

„Ulmer Hocker“, Max Bill und Hans Gugelot, 1953. Ausführung Paul Hildinger, HfG Ulm. Schätzpreis 2800 Euro, Zuschlag 5500 Euro.

Küchenuhr von Max Bill, 1956-57. Ausführung Junghans, Schramberg. Schätzpreis 700 Euro, Zuschlag 2100 Euro.
Aber nicht nur Werke namhafter deutscher Designer befanden sich unter den zur Versteigerung gebotenen Objekten. Auch Gestalter aus den Dänemark, den USA und Italien waren vertreten.
Lebhaftes Interesse bestand an Leuchten – vor allem von italienischen Designern. Die Tischlampe „Lucciola“ von Fabio Lenci (Entwurf 1972, Schätzpreis 1100 Euro) ging bis auf 1600 Euro, die „Cobra“-Tischleuchte von Angelo Lelli (Entwurf 1962, Schätzpreis 2000 Euro) erbrachte 1800 Euro. Die elegante Deckenleuchte „PH 4/4“ von Poul Henningsen erreichte mit 2600 Euro einen Zuschlag, der 600 Euro über dem Schätzpreis lag. Eine andere „PH“-Tischlampe mit einem Schätzpreis von 3000 Euro fand hingegen keinen Käufer. Drei deutsche und ein französischer Händler wetteiferten um die extrem seltene Deckenlampe „Calotta“ des Designers Joe Colombo (Entwurf 1964). Für 2300 Euro – mehr als das Doppelte der Schätzung (1000 Euro) – wird sie nun eine Kölner Designgalerie beleuchten. Verner Pantons „VP-Globe“-Leuchte (Entwurf 1969) in der äußerst raren Ausführung mit großem Durchmesser (60 cm) konnte sich von geschätzten 1500 Euro auf 2300 Euro steigern.

Poul Henningsen, Deckenlampe „PH-4/4“, 1927. Ausführung Louis Poulsen, Kopenhagen. Schätzpreis 2000 Euro, Zuschlag 2600 Euro.

Deckenleuchte „Calotta“, Joe Colombo, 1964. Ausführung O-Luce, Mailand. Schätzpreis 1000 Euro, Zuschlag 2300 Euro.

Verner Panton, Deckenleuchte „VP-Globe“, 1969. Ausführung Louis Poulsen, Kopenhagen. Schätzpreis 1500 Euro, Zuschlag 2300 Euro.
Aus dem Salon des deutschen Modedesigners Uli Richter stammen acht „Montreal“-Stühle, entworfen 1967 von Frei Otto. Diese Sonderanfertigung war einem bekannten New Yorker Inneneinrichter den 7000 Euro wert, soviel wie der Schätzpreis. Der „Well tempered chair“ von Ron Arad kam für 6000 Euro unter den Hammer, Schätzpreis 8000 Euro. Einige Möbel von Alvar Aalto blieben unverkauft, etwa das Zweisitzersofa „44“ mit einem Schätzpreis von 3000 Euro. Im Gegensatz zu seinen berühmten Arbeiten in Glas haben seine Möbelentwürfe auf dieser Quittenbaum-Auktion weniger Interesse geweckt.

Acht Stühle „Montreal“ von Frei Otto, 1967. Hersteller Karl Fröscher & Co. Schätzpreis wie Zuschlag 7000 Euro.
Was eine Lithografie von Marc Chagall in einer Design-Auktion zu suchen hat, könnte man sich fragen. Jedenfalls erreichte das Werk mit dem Titel „Nu de Vence“ (1962) nach längerem Bietgefecht mit 3900 Euro ein Ergebnis, das weit über dem Schätzpreis von 1600 Euro lag. Insgesamt wies die Designqualität der angebotenen Objekte ein ziemliches Gefälle auf. So gab es neben Design-Klassikern auch etwas kuriose Angebote, die man wohl eher auf einem Flohmarkt vermutet hätte, zum Beispiel vier Handpuppen mit den Titeln „Ludwig-Strippel“, „Grete“, „Lotte“ und „Funke-Göldner“.
Wer sich einen Überblick über alle wichtigen Bauhaus-Designer und Entwürfe verschaffen möchte, kann dies anhand des folgenden Buches tun, das letztes Jahr im Dumont-Verlag erschienen ist: Bernd Polster, Askan Quittenbaum (Hrsg.): „bauhaus design. Die Produkte der Neuen Sachlichkeit“. Köln 2009. 39,90 Euro.



