RITA GROSSE-RUYKEN / Online Magazin

RITA GROSSE-RUYKEN

17. Juli 2009 Frankfurt

Fein geschmiedet, dass sie ein Windhauch bewegt. Silber- und Goldschalen von Rita Grosse-Ruyken.

„Rays of Light – Rita Grosse-Ruyken“ heißt eine Ausstellung und Installation in Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt. Gezeigt werden die Arbeiten und das Schaffen der Künstlerin Rita Grosse-Ruyken. Für die von Dr. Sabine Runde kuratierte Ausstellung wurde sogar der Boden des Richard-Meier-Baus weiß gestrichen. Besucher dürfen in Pantoffel schlüpfen und so, im gewohnten Bewegungsablauf sanft gebremst, die faszinierende Welt der gelernten Gold- und Silberschmiedin durchstreifen. Rita Grosse-Ruykens Werk lässt antike Rituale und Größe vor unserem geistigen Auge aufscheinen. Gleichzeitig ist sie in ihrer geometrischen Reduktion und transparenten Klarheit absolut modern und von fast wissenschaftlicher Gründlichkeit. Einzigartig auf der Welt sind ihre atemberaubend fragilen Gold- und Silberschalen. Deren Wandstärke ist so dünn, dass die Gefäße beim geringsten Luftzug schwingen. Mit Gold und Silber verwendet die Gestalterin traditionelle Materialien und bekannte Gefäßformen, deutet sie aber in ihren Werken künstlerisch und symbolisch. Die Schale als Behältnis wird ihrer Funktionalität enthoben und zum Objekt der modernen Kunst abstrahiert. Die gesamte minimalistische Inszenierung nutzt den Rhythmus der von Licht durchfluteten Architektur Richard Meiers bis ins letzte Detail.

SCHALEN AUS GOLD UND SILBER ALS KUNSTTHEMA

Rita Grosse-Ruyken wurde in Donauwörth geboren. Von 1970–1972 studierte sie Neuphilologie und besuchte von 1971–1977 die Goldschmiedeklasse bei den Professoren Franz Rickert und Hermann Jünger an der Akademie der Bildenden Künste in München. Prägend in dieser Zeit waren Begegnungen mit dem Maler Gunther Fruhtrunk und dem Religionsphilosophen Aloys Goergen. Nach ihrem Staatsexamen als Kunsterzieherin studierte sie von 1977–1978 an der Sorbonne in Paris Kunstgeschichte und Archäologie.

Seit ihrem Diplom der Goldschmiedekunst 1978 lebt und arbeitet die Gestalterin im niederbayerischen Triftern. Seit 1983 betreibt Grosse-Ruyken Forschungsprojekte zu Transparenz und Bewegung in Skulpturen aus reinem Gold und reinem Silber. Dabei verwendet sie auch ein Patent der Firma Niessing. Mithilfe einer High-Tech-Innovation bearbeitet sie das reine Edelmetall so lange, bis es in einen nahezu entmaterialisierten, fließenden Aggregatzustand übergeht und ihre naturwissenschaftlichen und naturphilosophischen Annahmen visualisiert. Dazu bemerkt Grosse-Ruyken: „Die erste von allen Skulpturen im Raum nimmt Form an – die Schale – der Ursprung des Raum – Leben – und Form – Schöpfens.“ Die Schalen-Skulpturen werden so zum Medium für ein Assoziationsspiel um Innen- und Außenraum, Membrane und Hülle, Körperlichkeit und Licht.

Die minimalistische Inszenierung von Rita Grosse-Ruyken nutzt die von Licht durchflutete Architektur Richard Meiers.

Neben den skulpturalen Arbeiten gestaltete Rita Grosse-Ruyken auch Schmuckobjekte. Sie zeigen sich konsequent in der Gestaltungsidee und erscheinen nicht selten wie die Kränze als Kultgegenstände mit tiefem symbolischen Gehalt. Verstärkt wir dieser Eindruck in der Frankfurter Ausstellung durch Worte und Fragmente, die Hinweise geben und Fragen aufwerfen. Gleich den Gefäßen sind auch die Schmuckarbeiten für die Künstlerin Forschungsstationen, in denen sie Fragen des Seins beleuchtet und geistige Zusammenhänge in ihrer komplexen Vielschichtigkeit aufzeigt.

Das Blatt ist Träger des Lichts, das Gold Träger geistiger Inhalte. Kranz II, Kopfschmuck 1974/77, Silber, Gold.

JEDER MENSCH IST KÖNIG/IN

Die Ausstellung wird durch drei Performances mit Rita Grosse-Ruyken ergänzt. Sie tragen den Titel: „Jeder Mensch ist König/in – der Trunk aus der goldenen Schale, ein vergessener Quell.“ Die Termine: 19. Juli 2009, 16. August 2009 und 13. September 2009, jeweils 15 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, zweisprachig und in zwei Teilen gestaltet. Die sensibel gestaltete, bibliophile Kostbarkeit mit Beiträgen von Hans Wichmann, Aloys Goergen, André Fischer und Friedrich Piel führt den Betrachter und Leser sensibel ein in den Grenzbereich zwischen Materie, Transzendenz und Symbolik. Selten waren 280 Seiten so sinnlich und inspirierend zu erblättern. 50 Euro kostet das gut investierte Vergnügen.

Blätter strecken sich zu Bändern in den Raum und deuten die Verbindung zum Geistigen an. Kranz III, Kopfschmuck 1980.

RAYS OF LIGHTRITA GROSSE-RUYKEN, 18. Juni – 13. September 2009
Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt/Main. www.ritagrosse-ruyken.com.