Herbert-Hofmann-Preise 2010 / Online Magazin

Herbert-Hofmann-Preise 2010

18. März 2010 München

John Iversen, „Cutting Free“, Armband 2009. Sterlingsilber, Gelbgold, 190 × 70 mm.

Die Preisträger der Herbert-Hofmann-Preise 2010 kommen aus den USA, Finnland und der Schweiz. Auf der Internationalen Handwerksmesse, München, wurden John Iversen, Mia Maljojoki und David Bielander ausgezeichnet.

Iversen überzeugte die Jury mit seinem Armband „Cutting Free“. Dem US-Amerikaner gelang es einzelne Bruchstücke aus Sterlingsilber und Gelbgold so zusammenzufügen, dass dadurch eine beeindruckend lebendige Oberfläche entstand. Ungewöhnliche Materialien verwendete hingegen die Finnin Maljojoki für ihre Kette: Dentalgips und ein Gummiband. Besonders auffallend ist auch die gewählte Farbkombination Pink/Petrol. Dadurch erhalten das Rechteck, das Fast-Quadrat und der Kreis von Maljojokis Schmuckstück einen besonderen Akzent.
David Bielander wurde für seinen überdimensionalen Maiskolben geehrt. Mit dem floralen Schmuckmotiv gelang dem Baseler Schmuckkünstler ein Anhänger „mit Witz und hintergründigen Humor“, so die Begründung der Jury, „der einer Trägerin ganz einfach Freude“ mache.

Insgesamt bewarben sich um den international renommierten Herbert-
Hofmann-Preis in diesem Jahr 59 Goldschmiedearbeiten aus 28 Ländern,
die sich in der internationalen Sonderschau SCHMUCK präsentierten. Sie
findet in der Halle «Handwerk & Design» auf der Internationalen Handwerksmesse statt. Seit 1959 zählt die SCHMUCK als wichtiges Forum für zeitgenössischen Schmuck.

Handwerk & Design

Als Teil der Internationalen Handwerksmesse entstand 2008 die «Handwerk & Design». Mit diesem Konzept sollen herausragende Leistungen aus Handwerk, Kunsthandwerk und Design unter einem Dach auf der Internationalen Handwerksmesse gebündelt werden. Die Sonderschauen EXEMPLA, SCHMUCK, TALENTE sowie MEISTER DER MODERNE auf dem Gelände der Neuen Messe München in Halle A1 werden von der Handwerkskammer München und Oberbayern unter der Leitung von Wolfgang Lösche organisiert.

Begründungen der Jury

Begründung der Jury für das Armband von John Iversen, USA (oben): „Die Ästhetik des Zerbrochenen kennzeichnet diesen Schmuck – Gebrochenes Eis, geborstener Lehm, geplatzte Erdkrusten sind Assoziationen, die bei seiner Betrachtung unwillkürlich auftauchen – Broken Ice, ist in der chinesischen Kultur ja auch ein beliebtes klassisches Ornamentmotiv und spielt mit ähnlichen ästhetischen Effekten. Faszinierend ist, mit welcher handwerklichen Akribie John Iversen die einzelnen Bruchstücke gefertigt hat. In feinster „Laubsägetechnik“ sind sie gearbeitet möchte man glauben. Und beeindruckend ist die Lebendigkeit der Oberfläche. Ein fein nuanciertes, beinahe musikalisches Linienspiel liegt über allen Einzelteilen. Die Licht- und Schattenwirkung, die durch einige Leerstellen noch verstärkt wird, – trägt das Ihre dazu bei.“

David Bielander, „Maiskolben“, Anhänger, 2008. Musterbeutelklammern, Silber, 260 × 50 × 50 mm.

Begründung der Jury: „Man muss sich das Wort Musterbeutelklammer auf der Lippe zergehen lassen, um zu begreifen, dass dies Dinge sind, aus denen sich auch ein Schmuckstück gestalten lässt. Überdimensional groß ist der Maiskolben, den David Bielander hier aus ihnen gefertigt hat. Diese überdimensionale Größe nimmt seinem Schmuck jede Anmutung eines im traditionellen Sinne verwendeten floralen Schmuckmotivs. Hierin liegen Witz und hintergründiger Humor, die sich in fast allen Arbeiten dieses schweizer Schmuckkünstlers finden – Schmuck auf diese heitere Art hintersinnig, muss einer Trägerin ganz einfach Freude machen.“

Mia Maljojoki, Kette, 2009. Dentalgips gegossen, Gummiband, 50 × 110 × 40 mm.

Begründung der Jury: Begründung der Jury: „Das ist ein junger Schmuck, der ganz Ausdruck unserer Zeit ist – Ähnlich improvisiert und farbig fetzig werden in unserer Alltagskultur Schmuckakzente gesetzt. In der Einfachheit, in der die geometrischen Grundformen, – hier ein Rechteck, ein Fast-Quadrat und ein Kreis – mit einer Linie verbunden werden, hat etwas Elementares. Die Farbgebung ist provokativ. Pink und Petrol stehen in starkem Kontrast zueinander- Und bewusst lässig wurden auch die für eine Schmuckfertigung durchaus ungewöhnlichen Materialien Dentalgips und Gummiband verarbeitet. Die Kunst der Graffiti-Malerei ist nicht weit.“

www.ihm.de