Niedersächsischer Staatspreis für Kathrin Sättele

Für kunstvolles Schmieden belohnt: Staatspreisträgerin Kathrin Sättele. Foto Anna-C. Scior.
Der niedersächsische Staatspreis für das gestaltende Handwerk 2010 ging an die Goldschmiedin und Diplom-Designerin Kathrin Sättele aus Hildesheim. Der vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr seit über 50 Jahren vergebene Preis ist mit 5 000 Euro dotiert. Hiawatha Seiffert und Young-I Kim erhielten die mit je 2 500 Euro ausgestattete Förderpreise für das gestaltende Handwerk. 2010 wurde erstmalig auch ein mit 3 000 Euro dotierter Unternehmenspreis „Erfolgsfaktor Design“ ausgelobt. Die Preise dienen dazu, die Spitzenleistungen der handwerklichen Gestalterelite Niedersachsens zu würdigen und die Ergebnisse ihres Schaffens in einem besonderen Rahmen vorzustellen.
KATHRIN SÄTTELE
Kathrin Sätteles handgeschmiedeter Gold- und Silberschmuck überzeugte durch seine Leichtigkeit, seine kompromisslose und unaufgeregte Modernität, seine zeitlose Eleganz und seine hohe handwerkliche Perfektion. Darüber hinaus zeigt ihr Schmuck auch innovatives Potential. So vermeidet Sättele bei ihren Colliers alles Überflüssige, das die federnde Transparenz stören könnte. Die einzelnen Kettenglieder werden ineinander gehängt, auf einen Verschluss wird verzichtet. Auf diese Weise lassen sich ihre Ketten an jeder beliebigen Stelle öffnen, und nichts unterbricht die Konsequenz der gestalterischen Linie.
Auch bei den „Ohrflügeln“ ist Reduktion auf das Wesentliche angesagt. Trotz seiner Größe ist der Ohrschmuck sehr leicht, und das Besondere besteht darin, dass das Schmuckstück einfach in die Ohrmuschel eingehängt wird, ohne dass Ohrlöcher vorhanden sein müssen. Abgerundet wird die Serie durch Ringe und Armreifen aus einem handgeschmiedetem Doppeloval, bei dem zarte parallel oder sich überschneidende Linien Finger oder Handgelenk umkreisen, sowie durch Broschen, bei denen sich starke Assoziationen an Kalligraphien aufdrängen.
Dass sie ein gestaltendes Handwerk ausüben wollte, das stand für Kathrin Sättele schon früh fest. Nach der Lehre und einigen Gesellenjahren begann sie 1993 an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim ihr Studium bei den Professoren Arnd Heuer und Werner Bünck. Sätteles Lieblingsmaterial ist dünner Gold- oder Silberdraht, der von Hand geschmiedet wird. Der Hammerschlag bestimmt den Schwung und die Stärke der Linien und sorgt dafür, dass der ursprünglich runde Querschnitt des Ausgangsmaterials zur Fläche wechselt.

Kathrin Sätteles „Ohrflügel“. 750er Gold, geschmiedet, ca. 3 × 6 cm. Foto: Michael Jörns.

Federnd, elegant, künstlerisch: Armreif „Doppeloval“ von Kathrin Sättele. Foto: Michael Jörns, Studio 3.

Von Hand geschmiedete Ketten ohne Verschluss von Kathrin Sättele. Gold 750. Foto: Michael Jörns, Studio 3.
HIAWATHA SEIFFERT
Hiawatha Seiffert hat als Metallbaumeister und Gestalter im Handwerk lange mit Damaszenerstahl experimentiert, bevor er sich an die Gestaltung von Schalen wagte, deren Grundstoff Fahrradketten, Motorradketten oder Maschinenketten bilden. Durch Schmieden und Schweißen verformt er diese Ketten zu großen und kleinen Gefäßobjekten und verleiht ihnen somit ein neues, zweites Leben. Der Begriff des Recyclings erhält damit eine künstlerische Dimension. Die Juroren beeindruckte, dass die von Hiawatha Seiffert gestalteten Schalen die Struktur des Ursprungsmaterials noch deutlich erkennen lassen, durch den Formgebungsprozess aber doch eine besondere Ästhetik entsteht.
Je nachdem, wie stark die Ketten miteinander zusammengeschmiedet werden, sind die Schalen im Zentrum sehr kompakt. Das sorgt für einen guten Stand. Zu den Rändern hin ziehen sie sich dann wie löchrige Netze auseinander, fransen zu den Rändern hin aus. Grobe Maschinenketten erhalten einen zarten, fast zerbrechlichen Charakter.

Recycling mit künstlerischer Dimension: Hiawatha Seiffert mit seinen Schalen aus Fahrrad- und Maschinenketten. Foto Anna-C. Scior.

Schalen, Fahrradketten, verschweißt, geschmiedet, gewachst. Von Hiawatha Seiffert. Foto Anna-C. Scior.

Im Detail: Schale, Maschinenketten, verschweißt, geschmiedet, gewachst von Hiawatha Seiffert. Foto Anna-C. Scior.
YOUNG-I KIM
Der zweite Niedersächsische Förderpreis für das gestaltende Handwerk 2010 geht an die Diplom-Designerin Young-I Kim aus Hildesheim. Die 1979 in Korea geborene Metallgestalterin, die seit 2002 in Deutschland lebt, wird für ihre Arbeit mit dem Titel „Charakterisierte Gefäße“ ausgezeichnet. Die leicht asymmetrischen Kupfergefäße sind von Hand aufgezogen, planiert und geschliffen. Die Oberflächen werden mit farbigem, opakem Emailpulver überzogen und anschließend im Brennofen gebrannt. Um die satte Farbigkeit zu erreichen, die Kims Gefäße auszeichnet, wird die Oberfläche nach dem Brennen geschliffen. Dann wird der gesamte Prozess – Emailpulver auftragen, brennen und schleifen – wiederholt. So lange, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Das Gefäßinnere ist blattvergoldet, blattversilbert oder verzinnt.
Young-I Kims Gefäßobjekte, bei deren Gestaltung sie sich von Menschen inspirieren lässt, die ihr am Herzen liegen, sind von einer bezaubernden Schlichtheit und Leichtigkeit. Trotz ihrer puristischen Form vermitteln sie vor allem durch ihre Farbigkeit einen spielerischen Umgang mit dem Material. Die Jury überzeugte vor allem der gelungene ganzheitliche Ansatz, von der Entwicklung der grundlegenden, symbolischen Idee bis hin zur formvollendeten Ausführung.
Ihr Studium hat Young-I Kim an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst bei Prof. Werner Bünck absolviert und im Januar 2009 mit der Diplomprüfung abgeschlossen. Seither ist die junge Designerin mit großem Erfolg dabei, ihre ersten Schritte auf dem Ausstellungsparkett zu tun. Auch wenn sie jedes Jahr zu einem längeren Besuch nach Korea reist, möchte sie doch auf jeden Fall erst einmal in Deutschland bleiben und versuchen, hier als Künstlerin anerkannt zu werden.

Die Kunst des Hammerschlags: Young-I Kim bei der Arbeit. Porträtfoto: Anna-C. Scior.

Wie individuelle Persönlichkeiten: Kupfergefäße von Young-I Kim, emailliert, von Hand aufgezogen, blattvergoldet. H 14,5 cm, D 16 cm.
KAETHER UND WEISE
Im Zusammenhang mit dem Niedersächsischen Staatspreis für das gestaltende Handwerk wird 2010 erstmalig auch ein Unternehmenspreis „Erfolgsfaktor Design“ vergeben. Der Preis geht an den Tischlerbetrieb Kaether und Weise in Lamspringe. In dem Unternehmen, das im November 1998 von den beiden Tischlermeistern Andreas Kaether und Stephan Weise übernommen wurde, bildet Design die Leitlinie des unternehmerischen Handelns. Die Tischlerei arbeitet erfolgreich in den Bereichen Laden-, Messebau und Objekteinrichtung. Darüber hinaus bringen Kaether und Weise seit 2001 auch eine eigene Möbelkollektion auf den Markt. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Designern entwickelten die beiden Tischlermeister Möbel, die das Zeug zum Klassiker haben. Die Entwürfe überraschen mit ungewöhnlichen Details und bestechen durch ihr modernes Design. Der Erfolg, der sich mittlerweile auch international eingestellt hat, gibt ihnen Recht. Sabine Wilp

Erhielten den Unternehmenspreis „Erfolgsfaktor Design“: Andreas Kaether und Stephan Weise.

„flat_mate“, der flachste Klappstuhl der Welt. B 52 cm, H 78,5 cm, T 44,5 cm. Design Riad Hamadmad, Produktion kaether & weise.

Steckregalsystem „platten_bau“ von Kaether & Weise, Design Florian Petri. 4 mm HPL-Platten.
Die Ausstellung zum Niedersächsischen Staatspreis ist in der Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover, vom 30.1.2010 bis zum 27.02.2010 zu sehen. Öffnungszeiten: Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–14 Uhr, So, Mo und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen. www.handwerksform.de oder www.hwk-hannover.de



