Bruno Martinazzi

Armschmuck „Goldfinger“, 1969, Gold 20k, Weißgold 18k, 6,2 × 9 cm.
Bruno Martinazzi nimmt seit den 1960er Jahren in der Schmuckkunst eine bedeutende Position ein. Mit „Maß, Zahl und Gewicht“ zeigt das Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt ausgewählte Bildwerke und Schmuck des 85jährigen italienischen Meisters. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Ellen Maurer-Zilioli und der Fondazione Martinazzi. 70 Goldschmiedearbeiten des Bildhauers und Goldschmieds sind zu sehen. Seine Entwicklung und ästhetisches Anliegen werden erklärt.

Brosche „Bocca“, 1992, Gold 20k, 3,8 × 4,3 × 1 cm.
Mit seinen Arbeiten schreibt Martinazzi die Tradition der römisch-italienischen Antikenrezeption und ihre Suche nach dem Vollkommenen in die Gegenwart fort. Seine Bildsprache in Schmuck und Skulptur steht für eine spezifische mediterrane Interpretation der Materie, die den Bogen zwischen antikem Bewusstsein und Moderne spannt. Typisch für seinen ungewöhnlichen Schmuck sind stilisierte Teile des menschlichen Körpers. Ein zweites Thema sind Maße und Gewichte, das Maß von hundert Gramm, das Gewicht eines Kilogramms oder der Teil eines Meterstabes, den er als Schmuckstück definiert. In der Form goldener Hände, Finger, Lippen, Nabel, Brust ist immer auch der Bildhauer Martinazzi zu sehen. Mit ähnlichen Motiven hat der heute 85jährige auch monumentale Plastiken geschaffen.
Ungeachtet naturalistischer Details beeindruckt Martinazzis Linienführung. In der Abstraktion wandelt sich die Perspektive konkreter Realität zur Chiffre, zur symbolischen Form, die als Raum für das geistig Erkennbare funktioniert. Martinazzi selbst beschreibt seine Kunst als Versuch, „dem Einzelnen Ganzheit zu verleihen, vom Partiellen das Nötige zu entfernen oder es hinzuzufügen, damit eine Form entsteht, die nicht mehr auf das Fragment, auf den Teil verweist, sondern das Ganze zu evozieren vermag.“ Die für Freunde künstlerischen Schmucks unverzichtbare Ausstellung ist noch bis 30. August 2009 zu sehen.

Halsschmuck „Angelo“, 1995, Weißgold 18k, 8 × 4,7 cm.

Halsschmuck „Frater Tuus“, 2004, Weißgold 18k, Gold 18k, 7,5 × 6,7 cm.

Brosche „Afrodite“, 2007, Gold 20k, 5,2 × 4,6 × 1 cm.

Halsschmuck „Memory and desire“, 2007, Gold 20k, 7,6 × 8,2 cm.

Brosche „Atleta“, 2007, Gold 20k, 4,1 × 5,2 × 1,5 cm.
Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt, Geöffnet Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–21 Uhr, Mo geschlossen.



