Einladung zum Ritual

Ruthanne Tudball: Glasierte Teekanne auf drei Füßen mit Chawan, der japanischen Teeschale.
Vom 15. Januar bis 13. Februar 2010 findet in der Galerie Handwerk in München die Ausstellung „Teekeramik“ statt. Neben namhaften europäischen Keramikgestaltern sind Arbeiten aus USA, Japan, Südkorea und China zu sehen. Mehr als 50 Aussteller zeigen, wie das Teetrinken mit künstlerisch gestalteten Tassen und Kannen zum Ritual werden kann, das Geist und Sinne anregt.
China gilt als Ursprungsland des Tees. Bereits vor etwa 5000 Jahren wurde dort die wohltuende Wirkung des Teeblatts beschrieben. Heute hat sich auf fast allen Erdteilen eine eigenständige Teekultur herausgebildet. Mit einer jährlichen Weltproduktion von 2,9 Mio. Tonnen ist Tee das populärste Getränk der Erde. Fast so wichtig wie das Getränk selbst sind die Gefäße, in denen der Tee zubereitet und getrunken wird. Hierzu haben sich in den verschiedenen Kulturkreisen sehr unterschiedliche, oft höchst künstlerische Gefäße – Kannen, Wasserkühler, Teedosen, Becher und Schalen – entwickelt. In Asien gehören die Teeschalen berühmter Keramikmeister zu den großen Kulturschätzen und sind oftmals sehr kostbar. Sie erst vollenden die Teezeremonie. Ihre Schönheit wurde und wird bis heute auf das Höchste geschätzt. Der ästhetische Genuß beim Betrachten und auch das Berühren der Teegefäße und -utensilien ist in Asien wesentlicher Teil des Teerituals.
Die Teekanne wurde im 16. Jahrhundert in der chinesischen Töpferstadt Yixing entwickelt. Die Aufhebung der Teesteuer führte dazu, Tee nicht mehr zu pressen, sondern die Blätter in Kannen aufzugießen.
In Europa hat das Teetrinken seit dem Barock eine große Tradition, man denke nur an den berühmten „five o’clock tea“ in England. Hier umfassen Teebecher, Tassen und Schalen, Teekanne, Sahne- und Zuckergefäße das keramische Equipment des Teefreundes. Vor allem aber die Teeschale wird heute mit großer Liebe und Fantasie von vielen Keramikern in der ganzen Welt als Sinnbild der Synthese von funktionalem Gegenstand und schönem Objekt gefertigt. Sie ist Ausdruck von Auseinandersetzung und Wechselwirkung zwischen östlichen und westlichen Gestaltungsideen.

Teeschale von André von Martens.

Teekanne von Kati Jünger.

Jochen Rüth, Schalen „Feuerspuren“, Brand unter Zugabe von Sägespänen, Holzkohle, Heu und Holzasche bei ca. 1280°C.

Jochen Rüth, Teebehältnisse „Feuerspuren“.
DIE AUSSTELLER
China: Junya Shao, Teekännchen aus Yixing-Keramik. Deutschland: Christine Atmer de Reig, Nandl Eska, Maria Fischer, Karl Fulle, Sigrid Hilpert-Artes, Regine Hohmann, Kati Jünger, Keramische Werkstatt Margaretenhöhe, Young-Jae Lee, Uwe Löllmann, André von Martens, Martin Möhwald, Porzellan Manufaktur Nymphenburg, Billa Reitzner, Jochen Rüth, Astrid Schröder, Klaus Steindlmüller, Christine Wagner. Frankreich: Eric Astoul, Claude Champy, Isabelle Pammachius, Hervé Rousseau. Großbritannien: Walter Keeler, Ruthanne Tudball. Japan: Morioka Mitsuo, Kaneshige Makoto, Toyoba Seiya, Sugimoto Sadamitsu, Kanzaki Shiho, Kaneshige Michiaki, Ueda Mitsuharu. Aus der Sammlung Rudolf Strasser: Shimaoka Tatsuzo, Hamada Shinsaku, Hamada Tomoo, Matsuzaki Ken, Masamichi Yoshikawa, Tsunoda Yutaka, Sonobe Genya, Oribe Teeschale, Ono-san. Südkorea: Chang-Keun Cho, Kap-Sun Hwang, Jea-Hyeo Jeong, Si-Sook Kang, Ik-Young Kim, Kang-Hyo Lee, Ki-Zo Lee, Yeong-Ki Min, Soo-Jong Lee. USA: Jeff Shapiro.
Galerie Handwerk, Max-Joseph-Straße 4, Eingang Ecke Ottostraße, 80333 München. www.hwk-muenchen.de/galerie. Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Sa 10-13 Uhr.



