Spielfreude und Kunstnähe / Online Magazin

Spielfreude und Kunstnähe

22. Dezember 2009 Köln

Falko Marx: „Fischbrosche“. Gold, Dosenblech, in Gold gefasst, Brillanten, farbige Saphircabochons.

In seiner Ausstellungsreihe „Schmuckpole“ stellt das Museum für Angewandte Kunst Köln erneut das Werk zweier unterschiedlicher zeitgenössischer Künstler vor. Noch bis 10. Januar 2010 können in der Parallelausstellung „Dieter Roth: Die Ringe“ und „Falko Marx: Schmuck 1965–2009“ die kreativen Ansätze der beiden Schmuckkünstler im direkten Vergleich nachvollzogen werden.

DIETER ROTH

Im Werk des Schweizer Universalkünstlers Dieter Roth (1930-1998) bildet die in rund zwanzig Jahren mit dem Goldschmied Hans Langenbacher entwickelte Serie von Fingerringen einen einzigartigen Werkkomplex. Die Rothschen Ringe sprengen in ihrer avantgardistischen Konzeption den Rahmen konventioneller Schmuckvorstellungen. Roth entwickelte häufig ein Grundmodul, das spielerisch mit verschiedenen aufschraubbaren „Hüten“ („Hut-Ringe“), figürlichen Aufsätzen („Zoo-Ringe“) oder farbigen Acrylköpfen („Dreh-Ringe“) kombiniert werden kann. Für diese Ringe samt den dazugehörigen Aufsätzen entwarf Roth eigens Kassetten, welche die Zusammengehörigkeit der Stücke als Teile eines übergreifenden Kunstwerks unterstreichen. In den 60er Jahren gestaltete Roth Ringe mit auswechselbaren Edelsteinkugeln, die ausschließlich durch Federkraft fixiert werden.

Dieter Roth: „Hutring“. Kopfring in 750 Gelbgold, mit fünf auswechselbaren Hüten in Stahl, Messing, Kupfer, Gold und Silber.

Dieter Roth: „Drehring”. Ring aus 750 Gelbgold (als Träger) mit 15 auswechselbaren Drehformen in farbigem Acrylglas.

„Kugelring”. 925 Silber, 1961. Auswechselbare Edelsteinkugel, Rodochrosit. Gemeinschaftsarbeit: Dieter Roth und Hans Langenbacher.

Dieter Roth: „Faltring” auseinandergeklappt. 12 bewegliche Teile, Ring mit Klammer als Träger, 750 Gelbgold und Eisen.

Ein nahezu autonomes Werk Dieter Roths ist der „Falt-Ring“ mit zwölf übereinanderfaltbaren Ornament- und Symbolschablonen. Die Ausstellung zeigt 50 Ringe, außerdem auch noch Roths Graphiken sowie die gesamte erhaltene Korrespondenz des Künstlers.

FALKO MARX

Falko Marx wurde 1941 geboren und gilt als einer der bedeutendsten Schmuckkünstler Kölns. Als Pionier der Schmuckkunst nach 1945 entwickelt Marx seit den 60er Jahren eigene Varianten von objet trouvé und arte povera. Ohne die Basis des perfekt beherrschten Handwerks zu verlassen, hinterfragt er die tradierten Vorstellungen von Schmuck und unterläuft diese auf kreative Weise. Antike Glyptik und archäologische Fundstücke, aber auch triviale Alltagsgegenstände wie Konservendosendeckel, Puzzleteile oder Wackelbilder werden auf überraschende Weise künstlerisch verfremdet und somit neu interpretiert.

Goldring von Falko Marx.

Falko Marx: Ring „Heilige”. Gold, Porzellan-Miniatur (19. Jh.), Flüssigkeit, Gold- und Platinnadeln, Goldgranalien.

Die bemerkenswertesten Entwicklungen sind – neben den Dosendeckelbroschen – Marx´ Wasser-Ringe. In kleinen mit Flüssigkeit gefüllten Schalen bewegen sich Goldgranalien, Edelmetallnadeln und Edelsteine – teilweise über darunterliegenden Bildern. In seinen manchmal herausfordernden, oft erzählerischen und bildhaften Arbeiten schafft Falko Marx von Kunstsammlern begehrte skulpturale oder malerische Schmuckobjekte. In der Ausstellung wird ein von Marx selbst gewählter repräsentativer Querschnitt durch sein Lebenswerk mit rund 60 Arbeiten aus allen Schaffensperioden gezeigt.

Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, D-50667 Köln. Telefon: +49 (0)221 221 23860, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr, montags geschlossen. www.museenkoeln.de

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