JAPANISCHE TRADITION UND WESTLICHE EINFLÜSSE

KATÔ TSUBUSA: KAWAKOMAKI WHITE PORCELAIN. SCHALENOBJEKT PORZELLAN, TRANSPARENTGLASUR, BRAND IM HOLZOFEN, TOMIKA, GIFU PRÄFEKTUR, 2007. (FOTO: THOMAS NÄTHE)
Die japanische Keramik der Gegenwart verbindet alte japanische Traditionen und Ästhetik mit westlichen Kunstidealen. Beispielshafte Ergebnisse dieser interessanten Mischung sind ab dem 31.01.2010 auf der Sonderausstellung „Japanische Keramik der Gegenwart. Die Sammlung Crueger“ im Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig zu sehen. Letztere ergänzt thematisch die ständige Ausstellung „Asiatische Kunst. Impulse für Europa“, welche zeitgleich eröffnet wird.
Die japanische Keramik der Gegenwart weist heute eine große gestalterische und technische Vielfalt auf. Viele „Öfen“, die nach japanischem Sprachgebrauch eine Werkstatt oder auch ein ganzes Keramikgebiet bezeichnen können, haben seit dem Mittelalter ihren lokalspezifischen Charakter bewahrt. Grundlegende Entwicklungen der japanischen Keramik spiegeln sich in der Gliederung der Sonderausstellung wider. Das Steinzeug der „Sechs Alten Öfen“ ab dem 12. Jahrhundert, die Teekeramik ab dem 14. Jahrhundert, das Porzellan ab dem 17. Jahrhundert und die mingei (Volkskunst)-Bewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen noch heute die Arbeiten der Keramiker.

TEESCHALE VON TAKIGUCHI KAZUO. STEINZEUG MIT KIRSCHBLÜTEN-MOTIV IN AUFGLASURMALEREI, KYÔTO, 1998. (FOTO: THOMAS NÄTHE)

Fujioka Shûhei: Sakeflasche. Steinzeug mit Aschenanflug-Glasur, Feuerfarbe, Glasfluss und ishihaze (“Steinexplosion”), Iga-yaki, um 2001. (FOTO: THOMAS NÄTHE)
ASYMMETRIE UND SPARSAME RAUMNUTZUNG
Die Ausstellung dokumentiert das Erscheinungsbild der heutigen japanischen Keramik anhand typischer Objekte. Charakteristische Exponate aus dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts belegen mit ihren jahrhundertealten überlieferten Formen und Oberflächen die ungebrochenen Traditionen der japanischen Keramikkunst, aber auch ihre Entwicklungstendenzen. Dabei ist ersichtlich, dass die japanische Ästhetik mit ihrer Präferenz von Asymmetrie und sparsamer Raumnutzung dem westlichen Kunstideal in vielem entgegensteht. Auch die individuellen Arbeiten der heutigen Studiotöpfer stehen zwischen der Kontinuität der japanischen Keramiktradition und der Weiterentwicklung unter westlichen Einflüssen.
Die im Grassi Museum gezeigte Kollektion japanischer Keramik wurde vom Sammlerehepaar Anneliese und Wulf Crueger gestiftet und bereits in mehreren deutschen Museen vorgestellt. SaSch
Die Sonderausstellung „Japanische Keramik der Gegenwart. Die Sammlung Crueger“ ist vom 31.1.2010 bis zum 5.4.2010 im Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig zu sehen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag sowie feiertags 10-18 Uhr.
Grassi Museum für Angewandte Kunst, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig. Tel.: +49 341 222 91 00, grassimuseum@leipzig.de, www.grassimuseum.de



